Ruth Breu – InformatikerIn der Woche

Ruth Breu – InformatikerIn der Woche

Ruth Breu ist Professorin an der Universität Innsbruck und Leiterin der Forschungsgruppe Quality Engineering mit 30 MitarbeiterInnen. Seit 2009 leitet sie auch das Quality Engineering Laura Bassi Centre of Excellence in Innsbruck. Neben ihrer Tätigkeit als Forscherin ist Breu auch Unternehmerin: 2002 gründete sie die arctis Softwaretechnologie GmbH, 2012 die QE Lab Business Services GmbH. Beide Unternehmen beschäftigen sich mit Systemarchitekturen für Geschäftsprozesse.
Im Oktober 2015 wurde Ruth Breu für ihre Leistungen mit dem Wissenschaftspreis des Landes Tirol ausgezeichnet.

Ruth-Breu

Woran arbeiten Sie zur Zeit?
Mein Arbeitsgebiet ist Softwarequalität und –sicherheit. Unternehmen hängen heute immer mehr vom Funktionieren von IT-Systemen ab. Ich entwickle zusammen mit meinem Team und mit Industriepartnern Methoden und Werkzeuge, um Sicherheitsrisiken frühzeitig erkennen zu können und rechtzeitig Maßnahmen zur Absicherung der IT-Systeme ergreifen zu können. Damit sollen z.B. Kettenreaktionen vermieden werden, die ganze Unternehmensbereiche lahmlegen können. Als Folge solcher IT-Probleme konnten z.B. Kunden einer österreichischen Bank eine Woche kein eBanking durchführen und Passagiere weltweit am Flughafen nicht einchecken .

Was ist für Sie Informatik?
Die Entwicklung und der Betrieb großer IT-Systeme wie z.B. von Banken oder zur Steuerung des Flug- und Zugverkehrs erfordert die Zusammenarbeit vieler Menschen mit Verantwortlichkeiten, die weit über das Programmieren hinaus reichen. Die Informatik stellt Konzepte, Techniken und Werkzeuge bereit, die diese Tätigkeiten unterstützen und koordinieren. Dies reicht von geeigneten Kommunikationstechniken mit Fachexperten über Testverfahren bis zum Nachweis von Sicherheitseigenschaften.

Was ist für Sie die größte Herausforderung der Gegenwart, bei der Informatik helfen kann?
Informatik ist heute ein Kernbaustein zur Lösung jeglicher gesellschaftlicher Herausforderungen. Als Beispiel möchte ich die Entwicklungshilfe herausgreifen. Natürlich ist es wichtig, Brunnen und Schulen in unterentwickelten Gebieten Afrikas zu bauen. Aber ein mobiles Zahlungssystem wie M-Pesa, das unabhängig von Bankkonten nutzbar ist, stellt ebenfalls eine wirkungsvolle Unterstützung in unterentwickelten ländlichen Räumen dar.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt?
Mir persönlich gefällt es, praxisrelevante Probleme und Aufgabenstellungen zu lösen. Die Informatik stellt mir einen Baukasten an Konzepten und Methoden zur Verfügung, mit denen ich diese Probleme zerlegen und schrittweise Lösungen erarbeiten kann.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden?
Was die Informatik zunächst einmal auszeichnet, sind die exzellenten Berufsaussichten und die Tatsache, dass das Studium näher an der Praxis ist als viele andere technische oder naturwissenschaftliche Studiengänge. Am Arbeitsmarkt sehr gefragtes Wissen ermöglicht nicht nur steile Karrieren, sondern auch Formen der Arbeit, die eine gute Work-Life-Balance ermöglichen, oder die Selbständigkeit. Wenn ich als Schüler oder Schülerin Spaß an Mathematik habe und einen gewissen Spieltrieb mitbringe, sollte ich es auf alle Fälle ein Informatikstudium in Erwägung ziehen! Programmierkenntnisse sind keine Voraussetzung für ein Informatikstudium!

Was fehlt der Informatik in Österreich?
Der Informatik in Österreich fehlt am meisten die geeignete Repräsentation in den Schulen. Informatik wird von zu vielen Schülerinnen und Schülern als Kompetenz in Office-Produkten wahrgenommen. Die spannenden Seiten der Informatik werden noch zu wenig wahrgenommen. Dies ist nicht nur für die Studiengänge und Lehrberufe rund um die Informatik schade, sondern auch für alle anderen Disziplinen, in denen Informatik-Kompetenzen immer mehr Enabler für Kreativität und Innovation werden.