Ivan Viola – InformatikerIn der Woche

Ivan Viola – InformatikerIn der Woche

Ivan Viola lehrt und forscht am Institut für Computergrafik und Algorithmen der TU Wien und an der Universität Bergen in Norwegen. Seine Schwerpunkte sind für Menschen verständliche Visualisierungsmethoden, vor allem zu Fragestellungen der Medizin und Biologie.

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Woran arbeiten Sie zur Zeit? 

Wir arbeiten an einer Technologie, die kleine Organismen oder Viren wie E.coli oder HIV interaktiv darstellen kann. Obwohl diese Strukturen extrem klein sind, sind sie bis zur atomaren Ebene modelliert, was bedeutet, dass die Datenätze eigentlich sehr groß sind. Diese interaktiv darzustellen, sodass der Zuschauer seinen Blickwinkel in Echtzeit beliebig einstellen kann, ist eine große Herausforderung. Weiters arbeiten wir an Technologien, die die internen Strukturen und die Logik (oder Architektur) von diesen komplexen Datensätzen dem Beobachter effektiv vermitteln. In einem Satz: Wir beschäftigen uns mit dem Entwurf von Visualisierungstechnologien im Kontext von Daten aus integrativer struktureller Biologie, die schnell ein Bild berechnen und sinnvolle Information zum Bild liefern.

In dem nächsten Schritt möchten wir die statische Struktur von Organismen um Dynamik erweitern, damit wir die essenziellen Prozesse des Lebens effektiv und interaktiv darstellen und übermitteln können.

Als Beispiel unten ein Bild des HI-Virus, das das Resultat unserer Forschung demonstriert.

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Was ist für Sie Informatik?

Informatik ist ein Komplex von Themen oder wissenschaftlichen Richtungen, deren zentrale Aspekte Information, Daten, Berechnung oder Kognition sind.

Was sind für Sie Herausforderungen der Gegenwart, bei denen Informatik helfen kann?

Ich beschränke mich auf meinen Teil der Visualisierung, die selbst ein Teil von Visual Computing ist. Das ist der Teil der Informatik, in dem ich mich am besten auskenne, da kann ich hoffentlich eine kompetente Antwort geben:

Unsere Vision und gleichzeitig unsere Herausforderung im Vienna Research Groups WWTF Projekt ist es, der Menschheit den letzten Stand der Kenntnisse in Biologie visuell und interaktiv zu kommunizieren. Eine Art von Wikipedia und Google Maps für kleine Organismen in einem. Wie bereits erwähnt – das ist die Technologie die uns gerade beschäftigt.

Eine spezielle Herausforderung, bei der die Visualisierung helfen kann, ist die Formalisierung und Definition von Konzepten, die sehr bis jetzt nur schwammig definiert wurden. Zum Beispiel: Das Konzept der visuellen Abstraktion ist sehr unklar definiert, jede/r glaubt dass sie/er weiß, was das bedeutet, aber jede/r hat eigene Sicht, wofür dieses Konzept steht. Wir versuchen, das Konzept der visuellen Abstraktion systematisch zu studieren, um eine technologisch verwendbare Theorie der visuellen Abstraktion zu entwickeln.

Weiters finde ich Visualisierung extrem wichtig, um eine transparente Gesellschaft zu gestalten. Stellen Sie sich vor, dass der Steuerzahler mittels Visualisierung klar sehen könnte, wohin sein Geld fließt, oder wo die Mitteldistribution etwas nebelig wird. Visualisierung oder jedes visuelle Medium hat das Potenzial für starke Wirkung, Datenvisualisierung von öffentlichen Daten kann uns helfen, eine transparentere digitale Gesellschaft zu entwickeln. Da beziehe mich nicht speziell auf Österreich, sondern auf die ganze Welt.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt?

Für die meisten Menschen sind die Alltagsresultate der Informatik entweder eine Selbstverständlichkeit oder ein komplettes Mysterium, oder beides gleichzeitig. Ich als Informatiker kann die inneren Eingeweide der Informatik meist gut verstehen. Ich finde es wichtig, die von Menschen geschaffene Technologie gut verstehen zu können. Ohne Informatikstudium oder -interesse ist das heute kaum zu schaffen.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden?

Hier bleibe ich kurz und prägnant: „Informatics is the new kind of literacy“.

Wer in Zukunft gar keine Ahnung von Informatik hat, ist ein Dinosaurier. Wir wissen alle was den Dinosauriern passiert ist: Die gibt es heutzutage nicht mehr.

Was fehlt der Informatik in Österreich?

Es fehlt vor allem eine starke industrielle Basis. Es gibt Ausnahmen, im Kontext von Visualisierung zählen zum Beispiel VizRT oder GE Kretztechnik zur absoluten Weltspitze. Die Qualität der AbsolventInnen und die Forschungsexzellenz in Österreich hätten meiner Meinung mehr verdient. Warum bauen Schlüsselspieler wie Microsoft, Google, oder Intel ihre Research Labs nicht in Österreich? An exzellenten Köpfen haben wir da keinen Mangel …