Thomas Fahringer – InformatikerIn der Woche

Thomas Fahringer – InformatikerIn der Woche

Thomas Fahringer leitet die Distributed and Parallel Systems Group am Institut für Informatik der Universität Innsbruck. Die Gruppe beschäftigt sich insbesondere mit Cloup Computing, Parallel Processing und Green IT; aktuelle Projekte beschäftigen sich vor allem mit Hochleistungsrechnern oder auch mit der flexiblen On-Demand-Bereitstellung für Ressourcen für Online-Games.

Thomas-Fahringer

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Ich beschäftige mich mit drei großen Themen:

  1. Hochleistungsrechner und Parallelisierung von Software für alle Computer
  2. Cloud Computing
  3. Energieeffizientes Rechnen

In allen drei Themengebieten leite ich seit einiger Zeit internationale Projekte mit vielen InformatikerInnen aus Unternehmen und Universitäten in ganz Europa. Im Rahmen des EU H2020 AllScale Projekts entwickeln wir ein neues Programmiersystem zur Parallelisierung von Programmen für die schnellsten Rechner der Welt (Exaflop-Superrechner). Darüber hinaus koordinieren wir das EU H2020 ENTICE Projekt bei dem wir hocheffiziente Virtualisierungstechniken für Cloud Infrastrukturen konzipieren und implementieren. Beim europäischen Gemsclaim Projekt werden energieeffiziente HW/SW Lösungen für mobile Systeme entwickelt.

Was ist für Sie Informatik?

Die Informatik zählt zu den wichtigsten Technologien zur Lösungsfindung von vielen Problemen in der Wirtschaft und Industrie und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung einer Wissensgesellschaft. Das Sammeln, die Verarbeitung und die Analyse von (historischen aber auch aktuellen sensorbasierten) Daten durch intelligente Algorithmen auf verteilten, leistungsfähigen Rechnern wird die Weiterentwicklung der Gesellschaft (durch Vernetzung von Menschen, Rechnern und Umwelt) entscheidend beeinflussen.

Was sind für Sie Herausforderungen der Gegenwart, bei denen Informatik helfen kann?

Die Informatik ist unabdingbar für nahezu alle technischen, wirtschaftlichen und industriellen Prozesse. Es gibt viele Herausforderungen der Gegenwart, für die die Informatik wertvollste Beiträge leistet. Dazu zählen zum Beispiel die Reduktion von CO₂-Emissionen durch die Optimierung des Energieverbrauchs im Wohnbereich, in Fabriken oder öffentlichen Gebäuden, wie z.B. Krankenhäuser. Die Informatik misst den aktuellen Stromverbrauch und kann durch Optimierungsverfahren die Energieeffizienz dramatisch verbessern. Die Informatik hilft aber auch im Haushalt (z. B. bei der Kontrolle des Energieverbrauchs oder Sicherheitsvorrichtungen, etc..), im Pflegebereich (z. B. durch die Vernetzung von Patienten mit Ärzten und Krankenhäusern) sowie im Verkehr durch autonome und sichere Fahrzeuge.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt?

Die Halbwertszeiten für Informatiktechnologien belaufen sich häufig nur auf ein paar Jahre. Man muss sich ständig mit neuen Technologien auseinandersetzen, sich diese aneignen und alte verwerfen. Die Lust am Lernen ist in kaum einem anderen Fachgebiet so gefordert wie in der Informatik. Die Befürchtung von vielen, dass man als InformatikerIn bei Programmieraufgaben vereinsamt, ist völlig verfehlt.

Die Aufgaben eines Studienabsolventen der Informatik gehen über die Programmierung weit hinaus. InformatikerInnen sind die Architekten, Analytiker und Leiter der modernen Informationstechnologien mit vielen sozialen Kontakten in ihrer beruflichen Umgebung und hervorragenden Aufstiegschancen in allen Bereichen von Unternehmen und Universitäten.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden? 

Jeder Studierende, der sich dafür interessiert, wie ein Computer funktioniert und wie man Software für moderne Rechner (nicht nur PCs sondern auch Smart Phones, Tablets oder Server) entwickelt, sollte überlegen, ob Informatik als Studium in Frage kommt. Ideal wäre natürlich, wenn man vorher schon erste Erfahrungen hinsichtlich Programmierung gesammelt hat. Dabei lernt man viele Konzepte und Eigenschaften kennen, die für die Informatik von Bedeutung sind. Dazu zählen Themen, wie z.B. Daten und deren Zugriff und Verarbeitung, Algorithmen und abstraktes Denken.

Im Studium erlernt man nicht nur die Software-Entwicklung, zahlreiche Programmiersprachen oder den Aufbau eines Rechners, sondern auch wichtige Techniken für das Internet, Cloud Computing, die Datensicherheit, mobile Endgeräte und zahlreiche andere Trends im Bereich der Informationstechnologien.

Was fehlt der Informatik in Österreich?

Die Informatik-Standort in Österreich benötigt deutlich mehr außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, vergleichbar mit den Helmholtz und Fraunhofer Instituten in Deutschland, aber auch industrielle Forschung im Bereich der Informatik. Solche Einrichtungen würden nicht nur die Informatik per se weiterentwickeln, Unternehmensgründungen erhöhen und damit zusätzliche qualitativ hochwertige Arbeitsstellen schaffen, sondern auch ein wichtiger Anreiz für viele Studierende sein, in die Forschung anstatt in die Entwicklung zu gehen. Es gibt in Österreich viel zu wenig Anreize für Studierende ihre berufliche Herausforderung in der Forschung zu suchen. Dazu fehlt es an Forschungsstellen für die Informatik. Viele Talente in der Informatik wandern ins Ausland ab oder nehmen Stellen in der Wirtschaft an, die ihre Fähigkeiten nicht nutzen. Zusätzliche Stellenangebote würden eventuell auch deutlich mehr Menschen zu einem Informatikstudium bewegen als das bisher der Fall war.