Zukunft nicht verschlafen, IT an Schulen forcieren

Zukunft nicht verschlafen, IT an Schulen forcieren

Im Rahmen des  Austrian Computer Science Day (ACSD), der dieses Jahr am 15. Juni Salzburg stattfindet, lädt Informatik Austria zur Diskussion über Informatikausbildung an unseren Schulen. WissenschafterInnen und BildungsexpertInnen diskutieren die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Expertenforderungen und aktuellem Lehrplan.

Informatik ist wichtig und sollte einen höheren Stellenwert in der Ausbildung einnehmen – darüber sind sich so gut wie alle Beteiligten einig. Völlig unklar ist allerdings, wie Informatikausbildung an den Schulen aussehen kann und was die eigentlich wichtigen digitalen Kompetenzen sind.

Informatik Austria lädt zu einer prominent besetzten Diskussionsrunde im Rahmen des Austrian Computer Science Day

Auf dem Podium sind Andreas Bollin (Universität Klagenfurt), Martin Bauer (Wissenschaftsministerium), Hanspeter Mössenböck (Universität Linz), Ruth Breu (Universität Innsbruck), es moderiert Gerald Futschek (TU Wien).

Wie gut ist die Informatikausbildung an Österreichs Schulen? Im internationalen Vergleich ist hier noch reichlich Luft nach oben. Im Nachbarland Schweiz ist Informatik bereits als Pflichtfach im Lehrplan verankert, in Deutschland wird derzeit darüber diskutiert. In Österreich sind zwar ab der Volksschule „Digitale Kompetenzen“ und ab der AHS/NMS „Digitale Grundbildung“ als verbindliche Übungen vorgesehen. Ein durchgängiges Fach „Informatik“ gibt es aber derzeit noch nicht.

„Für mehr Menschen als heute werden künftig informatische Kompetenzen ein Erfolgsfaktor sein. Deshalb müssen wir unsere Jugend darauf vorbereiten und eine fundierte informatische Grundbildung ab der Primarstufe bis hin zum Expertlevel in der tertiären Ebene anbieten“, sagt Martin Bauer vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. So weit, so klar – über den konkreten Weg sind sich ExpertInnen allerdings nicht einig, und InformatikerInnen vermissen entschlossenes Handeln.

Mehr Informatik an Schulen: Derzeit nur über pragmatischen Weg möglich

Doch die Etablierung eines durchgängigen Schulfachs Informatik wird wohl noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Ruth Breu, Leiterin des Bereichs Quality Engineering am Institut für Informatik der Universität Innsbruck, plädiert für eine lösungsorientierte Herangehensweise: „Die Integration von IT-Inhalten in alle Schulfächer ist ein pragmatischer Weg für mehr Informatik in der Schule. Während Algorithmen und Modellbildung in der Mathematik ihren Platz finden können, Medienbildung im Schulfach Deutsch und Wirtschaft, kann IT-Anwendungskompetenz vielfältig von Biologie bis zum Kunstunterricht vermittelt werden.“

Ohne Informatik als eigenständiges Pflichtfach verliert Österreich internationalen Anschluss

An Informatik als eigenständigem Pflichtfach führt über kurz und lang kein Weg vorbei. Klare Worte findet hier Andreas Bollin, Institutsleiter für Informatikdidaktik an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt: „Um die Informatik als Fach zu erschließen und Wissen zu schaffen, bedarf es einer starken Verankerung im Fächerkanon an den Schulen. Digitale Kompetenzen und informatisches Denken sind erste wichtige Schritte dorthin, sie ersetzen aber nicht einen eigenständigen Informatik-Unterricht in der Primar- sowie Sekundarstufe. Weltweit wird dieser Schritt bereits gesetzt und in Österreich gilt es nun Lücken zu schließen und alles zu unternehmen, um den Vorsprung dieser Länder zu verringern.“

Dieser Forderung schließt sich Hanspeter Mössenböck, Leiter des Instituts für Systemsoftware an der Johannes Kepler Universität Linz, an: „Um unsere Jugend auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten, ist es essentiell, Grundfertigkeiten  von algorithmischem Denken, logischem Schließen oder Abstraktionsvermögen in die Pflicht-Lehrpläne der Schulen zu integrieren.“

Mehr Budget und Studierendenleitsystem

Eine bessere Schulausbildung in Informatik ist eine der drei Säulen, um die Informatik in Österreich zu stärken. Prof. Gerald Steinhardt, Vorsitzender von Informatik Austria, fasst die weiteren zwei Punkt des aktuellen Forderungspapiers an die Regierung zusammen:

„Erstens fordern wir eine Verdoppelung des Budgets für die universitäre Informatik, um die Anzahl der Absolventinnen ebenfalls zu verdoppeln. Denn IT-Fachkräfte werden für die Gestaltung des digitalen Wandels derzeit händeringend gesucht. Zweitens müssen die gesetzlichen Voraussetzungen für ein “Studierendenleitsystem” mit Prioritätennennung von Universitäten bei der Bewerbung um einen Studienplatz in der Informatik geschaffen werden.

 

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