Ruth Breu am ACSD 2018

Mehr Informatik an Schulen: Derzeit nur über pragmatischen Weg möglich


Im Rahmen des  Austrian Computer Science Day (ACSD) fand im Juni 2018 eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema „Wie gut ist die Informatikausbildung an Österreichs Schulen?“ statt. Moderator war Gerald Futschek, TU Wien. Wir haben hier den Diskussionsbeitrag von Ruth Breu, Leiterin des Bereichs Quality Engineering am Institut für Informatik der Universität Innsbruck, zusammengefasst.

 

Moderator Gerhard Futschek eröffnet die Podiumsdiskussion mit einer kurzen Beschreibung der Geschichte des Schulfachs Informatik: „Die Informatikausbildung an Österreichs Schulen hat eine relativ lange Tradition,  1986 wurde in den AHS  zweit Stunden Informatikunterricht ab der 9,Klasse eingeführt.“ Doch während unter dem Begriff „Informatik“ im Schulbereich vorallem Medienbildung und der Umgang mit gängigen Softwareprogrammen gelehrt wurden, kommt der Kern der Informatik zu kurz. Das Ziel ist es jedoch, die Schüler auf die Herausforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt der Zukunft vorzubereiten. Sein Aufruf an die Diskussionsteilnehmer: „Was sind die Erfordernisse einer guten Informatikausbildung an unseren Schulen?“

Ruth Breu plädiert für eine lösungsorientierte Herangehensweise: „Die Integration von IT-Inhalten in alle Schulfächer ist ein pragmatischer Weg für mehr Informatik in der Schule. Während Algorithmen und Modellbildung in der Mathematik ihren Platz finden können, Medienbildung im Schulfach Deutsch und Wirtschaft, kann IT-Anwendungskompetenz vielfältig von Biologie bis zum Kunstunterricht vermittelt werden.“

Breu hält ein Plädoyer für eine qualitativ hochwertige und breit zugängliche Bildung, diese sei nicht nur das Fundament für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes, sondern auch für Demokratie, Freiheit und sozialen Frieden. Sie hebt die wichtige Rolle der Digitalisierung in diesem Zusammenhang hervor und benennt drei Kernbereiche, auf die sich die Schule in Bezug auf die Digitalisierung konzetrieren soll:

  • Digitalisierungskompetenzen: Ein hohes Niveau an Kompetenz in Methoden und Technologien der Digitalisierung ist ein Schlüssel für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen und erfolgreiche Forschung in allen Wissenschaftsdisziplinen.
  • Digitale Lernformen: Die Einbeziehung digitaler Lernformen in Unterricht und Ausbildung ist kein Ziel per se, kann aber dazu beitragen, höhere Lernebenen (vom Wissen über das Verstehen zur Anwendung und Beurteilung) zu erreichen. Digitale Lernformen können auch dazu eingesetzt werden, heterogene SchülerInnenstrukturen besser zu bewältigen, SchülerInnen zu begeistern und aktuelle Lerninhalte in den Unterricht zu integrieren.
  • Medienwissen: Derzeit wird uns in atemberaubender Art und Weise klar gemacht, welch starke Auswirkungen die neuen Technologien rund um Big Data und Künstliche Intelligenz auf unsere Gesellschaft, unser Zusammenleben und unsere Demokratien haben können. Eine breite Diskussion über Rolle, Potential und Grenzen von IT-Technologien in unserer Gesellschaft ist unverzichtbar. Die Basis für diese Diskussion ist Medienwissen, beispielsweise in den Bereichen Datenschutz, online-Medien, soziale Netzwerke und Medienrecht.

Hier können Sie das Paper zum Diskussionbeitrag von Ruth Breu nachlesen

Die Statements der weiteren Diskussionsteilnehmer werden in den kommenden zwei Wochen veröffentlicht. Moderator der Podiumsdiskussion war Gerald Futschek, TU Wien


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