Laura Kovacs – InformatikerIn der Woche

„Moderne Computer-Software ist so komplex, dass es fast unmöglich ist, sie fehlerfrei zu entwickeln oder zu verbessern.“

Laura Kovacs beschäftigt sich mit der Verifikation von Computersystemen, also mit Methoden, die Korrektheit von Software zu überprüfen. Derzeit forscht sie in Göteborg und nur Teilzeit an der TU Wien. Ab April 2016 wird Laura Kovacs wieder in Wien sein sein. Mit im Gepäck werden ein Auszeichnung der Wallenberg-Stiftung und ein ERC Starting Grant sein, zwei renommierte und gut dotierte Förderungen für ihre Forschung.

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Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Ich entwickle Computerprogramme, die andere Computerprogramme analysieren und überprüfen. Die entwickelten Methoden in meiner Arbeit sind automatisch, erfordern keine Benutzerführung und können dazu verwendet werden, um die wesentlichen Eigenschaften bestehender Computerprogramme zu beschreiben. Die Eigenschaften, die ich erzeuge, werden in Logik erster Ordnung ausgedrückt und verwenden komplexe Arithmetik; sie können beispielsweise ausdrücken, dass jede gerade Stelle im Computerspeicher initialisiert wurde. Derzeit kombiniere ich automatisierte Theorembeweise erster Ordnung mit Computeralgebra und automatisiere den Prozess der Erzeugung und den Beweis von Programmeigenschaften. Dies dient dazu, zu beweisen, dass ein Computerprogramm keine Fehler hat.

Was ist für Sie Informatik?

Für mich ist Informatik eine wunderbare und interdisziplinäre Wissenschaft. Sie verbindet Mathematik, mathematische Logik und Computerwissenschaften, um die komplexen Eigenschaften und das Verhalten von Computersystemen zu erklären. Im Gegensatz zur weitläufigen Meinung ist Informatik viel mehr als nur Programmieren auf einem Computer. Informatik ist eine Wissenschaft, die Theorie, Implementierung, Nutzung, Anwendungsmöglichkeiten und allgemeine Verfügbarkeit von leistungsfähigen Computersystemen verbindet. Informatik bietet die Möglichkeit, sehr große Computersysteme automatisch zu verstehen, dies erfordert jedoch ein tiefes Verständnis über die theoretischen Grundlagen und Grenzen von Computerprogrammen.

Was sind für Sie Herausforderungen der Gegenwart, bei denen Informatik helfen kann?

Computersysteme werden täglich von uns allen genutzt. Moderne Computer-Software ist jedoch so komplex, dass es fast unmöglich ist, sie fehlerfrei zu entwickeln oder zu verbessern. Als Ergebnis sind wir gewöhnt, dass Computersysteme abstürzen, oder nicht so funktionieren, wie wir es erwarten. Die Informatik bietet automatisierte Methoden und Tools, um den Prozess der fehlerfreien Entwicklung zu automatisieren und auf der anderen Seite Fehler zu finden und zu eliminieren.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt?

Wenn es um Informatik geht, muss man interdisziplinär arbeiten und offen gegenüber unerwarteten Ergebnissen sein. Man muss mit mathematischen und logischen Methoden arbeiten, und dann die entwickelten Algorithmen implementieren. Theorie und Praxis gehören zusammen, man braucht beides. Zumindest in meiner Arbeit ergeben sich viele neue Theorien aus einfachen Beobachtungen bei der Auswertung von Experimenten.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden?

Wie in allen Studienbereichen müssen die Studierenden interessiert und engagiert in ihrem Studium sein. Man sollte sich auβerdem bewusst sein, dass während eines Informatikstudiums auch Bereiche, wie Mathematik, Logik, oder sogar Biologie behandelt werden. Informatik hat viele, viele Anwendungen in verschiedenen Bereichen der Forschung und Entwicklung, und entwickelt sich in einem sehr hohen Tempo. Die Studenten des Informatikstudiums sind aktuellen Forschungstrends stark ausgesetzt. Als Student sollte man dies als einen großen Vorteil sehen. Man ist gezwungen neue Dinge rasch zu lernen um ein Experte in der IT-Industrie oder anderen Industriezweigen zu werden.

Was fehlt der Informatik in Österreich?

In den letzten drei Jahren habe ich im Ausland gearbeitet. Es ist daher schwierig für mich, wirklich den aktuellen Status der Informatik in Österreich zu bewerten. Aber ich denke, es sollten für Forschung und Bildung in der Informatik in Österreich mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Integration von industrielle Anwendungen in den Studienplan, beispielsweise aus der Automobilindustrie oder der Robotik, wäre auch von Vorteil. Informatik in Österreich hat ausgezeichnete Forscher mit bahnbrechenden Ideen. Tragischerweise haben wir gerade einen unserer besten Forscher, Prof. Dr. Helmut Veith, verloren. Helmut Veith wird der Informatik in Österreich fehlen.



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