Georg Weissenbacher – InformatikerIn der Woche

Georg Weissenbacher ist auf der Suche nach "Heisenbugs".

Georg Weissenbacher ist Assistenzprofessor in der Gruppe „Formal Methods in Systems Engineering“ an der TU Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Verifikation von Software und Hardware, und Logik und Entscheidungsprozeduren.

Georg-Weissenbacher

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Meine Gruppe beschäftigt sich mit komplizierten Fehlern in Software und Hardware, sogenannten Heisenbugs. Es handelt sich hierbei um Fehler, die scheinbar vollkommen willkürlich auftreten und wieder verschwinden, wenn man sie genauer untersuchen will. In Zeiten, in denen Software und integrierte Schaltungen allgegenwärtig sind (in Autos, Flugzeugen, Mobiltelefonen, Waschmaschinen…), sind derartige Bugs nicht nur lästig, sondern gefährlich. Wir entwickeln Software, die Softwarefehler automatisch findet und deren Ursachen unter Einsatz von Logik untersucht und erklärt, und somit verhindert, dass Bugs ihren Weg ins Endprodukt finden. Man könnte das auch plakativ als präventiven Katastrophenschutz bezeichnen 😉

Was ist für Sie Informatik?

Ich für mich verstehe Informatik meist im engeren Sinne als Computerwissenschaft, ein Begriff der eher der im englischen Sprachraum üblichen Bezeichnung Computer Science entspricht. Das bedeutet nicht, dass ich die breiteren Aspekte der Informatik nicht als relevant erachte (im Gegenteil), sondern der Ausdruck beschreibt einfach besser die Fragen, mit denen ich mich in meiner Forschung beschäftige: die Gesetze, nach denen Computer und Software funktionieren, und deren Grenzen.

Was sind für Sie Herausforderungen der Gegenwart, bei denen Informatik helfen kann?

Software und Computersysteme können uns in vielen Bereichen das Leben erleichtern, da sie viele Aufgaben schneller und zuverlässiger als Menschen erledigen können. So können z.B. selbstfahrende Autos den Verkehr effizienter machen, Roboter viele mühsame Aufgaben im Alltag übernehmen, oder Wahlcomputer sicherstellen, dass es bei der Auszählung zu keinen Unregelmäßigkeiten kommt. Das birgt natürlich auch Gefahren und Herausforderungen: einerseits kann fehlerhafte Software schnell zu Katastrophen führen (dazu bedarf es gar keiner böswilligen künstlichen Intelligenz, sondern lediglich einer Nachlässigkeit des Programmierers), andererseits stellt uns die mit Automatisierung verbundene Wegrationalisierung von Jobs vor große gesellschaftliche Probleme. Letzteren werden wir uns in Anbetracht der steigenden Globalisierung und des Bevölkerungswachstums, als auch den aktuellen Migrationswellen, aber ohnehin stellen müssen.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt?

Dass selbst einfache Fragen sich oft als sehr trickreich erweisen, und dass es ungemein schwierig sein kann, zu einfachen Antworten zu finden, die nicht zu kurz greifen.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden?

Jemand, der mehr daran interessiert ist, ob und wie ein Computer ein Sudoku lösen kann, als daran, das Sudoku selbst zu lösen, ist schon mal am richtigen Weg. Im Informatikstudium lernt man in erster Linie, Probleme systematisch und analytisch (und automatisiert) zu lösen – das ist eine sehr wertvolle Fähigkeit, die zahlreiche Anwendungsbereiche hat. In diesem Zusammenhang möchte ich auch erwähnen, dass ich in meiner Zeit als Assistenzprofessor an der TU Wien festgestellt habe, dass weibliche Studierende in dieser Hinsicht oft besonders talentiert sind, und dass ich es daher schade finde, dass sich nicht mehr Frauen für ein Informatikstudium entscheiden. Mit einer Informatikausbildung hat man ein sehr breites Betätigungsfeld, und kann ziemlich sicher sein, dass das Gelernte auch später im Job relevant ist und eingesetzt werden kann. Wobei die Berufsaussichten natürlich nicht der primäre Grund sein sollten – viel wichtiger ist, dass Informatik Spaß macht.

Was fehlt der Informatik in Österreich?

Sichtbarkeit und Anerkennung. Einer der Hauptgründe, warum ich aus dem Ausland nach Österreich zurückgekehrt bin, ist, dass wir hier unverhältnismäßig viele hervorragende Informatiker (insbesondere in meinem Forschungsgebiet) haben, die international sehr sichtbar sind. Ich denke, dass das vielen Österreichern gar nicht bewusst ist.
 Das, und natürlich fehlt uns allen Helmut Veith, der vor kurzem unerwartet verstorben ist und eine riesige Lücke hinterlässt.



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