Helmut Hlavacs – InformatikerInnen-Kurzinterviews

„Informatik muss immer im Zusammenhang mit anderen Disziplinen gedacht werden, wenn sie positives bewirken soll.“


Helmut Hlavacs ist Professor für angewandte Informatik an der Fakultät für Informatik der Universität Wien und leitet die Forschungsgruppe Entertainment Computing. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Multimediakommunikation und der Serious Games.

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Zur Zeit untersuchen wir gemeinsam mit KollegInnen aus der Psychologie verschiedene Aspekte des Präsenzerlebens in einer Virtual Reality. Auch erarbeiten wir neue Virtual Reality-Szenarios zur Therapie spezifischer Angststörungen. Gemeinsam mit KollegInnen aus Malaysia arbeiten wir an einer experimentellen Erfassung von Konsumerleben von Computerspielen. Mit meinen StudentInnen entwickle ich auch unterstützende Technologien für Menschen mit speziellen Bedürfnissen, sowie neuartigen e-Learning Ideen.

Was ist für Sie Informatik?

Informatik ist für mich ein Werkzeug, um das Leben vieler Menschen zu verbessern, interessanter, sicherer oder abwechslungsreicher zu gestalten, oder um sie einfach zu unterhalten.

Was sind für Sie Herausforderungen der Gegenwart, bei denen Informatik helfen kann?

Die Herausforderungen der heutigen Zeit sind durch eine Vielzahl von Trends gegeben, dazu zähle ich den zunehmenden Grad an Komplexität und Umfang, gerade auch dezentraler Systeme, der nur mittels Informatik beherrschbar bleibt. Die tagtäglich produzierten Datenmengen entziehen sich einer manuellen Analyse zunehmend, und benötigen Methoden aus Bereichen wie Machine Learning, Data Mining, oder Visualisierung, um interpretiert werden zu können.

Virtual, Augmented oder Mixed Reality eröffnen neue Realitätsebenen, benötigen aber auch intelligente Content-Systeme, um befüllt zu werden, etwa mit prozedural erzeugtem Content.

Auch werden Menschen zunehmend älter, und die damit einhergehenden chronischen Erkrankungen werden sicherlich in den nächsten Jahrzehnten unsere Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen stellen. Hier könnten intelligente eHealth-Systeme die Gesundheitssysteme vor dem Kollaps retten, etwa durch frühe Präventionsmaßnahmen, rechtzeitigem Erkennen von chronischen Erkrankungen, individualisierte Medizin etc.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt?

Ich habe gelernt, dass Informatik immer im Zusammenhang mit anderen Disziplinen gedacht werden muss, wenn sie Positives im Leben von Menschen bewirken soll.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden?

Gerade erleben wir, wie alle Lebensbereiche zunehmend digitalisiert werden. Den persönlichen Zugang zum Cyberspace trägt heute jeder permanent mit sich. Dieses „always-on“-Leben war noch vor 15 Jahren nicht vorstellbar.

InformatikerInnen werden daher in der zukünftigen Arbeitswelt nicht nur kein Problem haben, einen Job zu finden, sondern vor allem interdisziplinär in spannenden Projekten arbeiten. Wenn man will, steht einem die ganze Welt offen, vom Silicon Valley bis Singapur.

Im Informatikstudium lernen StudentInnen nicht nur die Grundlagen der Wissenschaft Informatik, sondern vor allem Probleme zu lösen. Gute StudentInnen brennen für das Fach, programmieren gerne auch in ihrer Freizeit, und können sich gut und lange konzentrieren.

Was fehlt der Informatik in Österreich?

Der Informatik in Österreich fehlt es sicherlich an den nötigen Mitteln, etwa in der Forschung, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Auch fehlen uns die Ökosysteme, die starke lokale Firmenpartner und Universitäten vernetzen. Eine stärkere Verbindung zwischen Industrie und Universitäten würde den Innovationsstandort Österreich massiv stärken.



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