Mehr Informatik für die Digitale Grundbildung!

D!igitalisierung beherrscht auch den Alltag an den Schulen. In den vergangenen zwei Jahren standen – bedingt durch Pandemie und Homeschooling – Techniken des digitalen Unterrichtens im Vordergrund. Jetzt wird auch die Vermittlung von digitalen und informatischen Kompetenzen wieder zum Thema. Ab Herbst soll nach den Plänen des Ministeriums an Österreichs Schulen das neue Unterrichtsfach „Digitale Grundbildung“ eingeführt werden.

Informatik Austria begrüßt jeden Vorstoß, digitales Wissen und Informatik im Schulunterricht zu verankern. Die Einführung eines durchgehenden Pflichtfachs Informatik steht schon lange auf der Forderungsliste. Gegenüber den konkreten Plänen zur Ausgestaltung des Lehrplans für Digitale Grundbildung hegen die versammelten InformatikerInnen an Österreichs Universitäten aber einige Bedenken:

  • Informatische Grundlagen kommen zu kurz. Die geplanten Schwerpunkte liegen zu sehr auf Medienbildung und Anwendungen oder Folgen digitaler Technologien. Damit lernen SchülerInnen weder die technischen Grundlagen der Digitalisierung noch  wie sie Digitalisierung in Zukunft mitgestalten können – das ist eine verpasste Chance.
  • Das Fach sollte in „Informatik und Digitale Grundbildung“ umbenannt werden.
  • „Informatik und digitale Grundbildung“ soll nur von ausgebildeten Informatik-LehrerInnen unterrichtet werden. Weder soll ein neues Lehramtsfach eingeführt werden noch sollen fachfremden Lehrpersonen in Schnellsiedekursen technisches Halbwissen vermittelt werden.

Diese drei Punkte wurden in mehreren Stellungnahmen österreichischer Universitäten an die zuständigen Stellen verschickt. Die Stellungnahme von Informatik Austria finden Sie hier zum Nachlesen. Bislang gab es keine Reaktion der Politik auf diese Einschätzung der relevantesten Informatik-ExpertInnen Österreichs. Im Gegenteil: Ein Schreiben des Unterrichtsministeriums zeigt, dass die Expertise der gesamten akademischen Informatik und Didaktik Österreichs ignoriert wird.

  • Diesen Sommer starten Onlinekurse, um teilweise auch fachfremde LehrerInnen auf den Unterricht des neuen Pflichtfachs vorzubereiten.
  • Mit dem nächsten Studienjahr soll ein eigener Hochschullehrgang im Ausmaß von 30 EC an den Pädagogischen Hochschulen starten. Dies reicht nicht aus, um alle nötigen Kompetenzen zu vermitteln.
  • Langfristig soll ein eigenes Lehramtsstudium eingeführt werden. Damit verbaut man Generationen an SchülerInnen die Möglichkeit einer zeitgemäßen und dringend nötigen informatischen Bildung.

Diese Maßnahmen machen klar: Das ist eine verpasste Chance, endlich eine Grundlage für den Ausbau des Informatik-Unterrichts an Österreichs Schulen zu schaffen.

Medienbildungsaspekte und Mediennutzungskompetenzen-, die jetzt den großen Teil der Inhalte in Digitaler Grundbildung ausmachen, sollten vielmehr – wie international üblich –  in alle Fächer integriert werden. Ein stark auf informatische Bildung  konzentriertes Unterrichtsfach „Informatik und Digitale Grundbildung“ soll die notwendige Basis schaffen, damit SchülerInnen lernen, wie die digitale Gestaltung unserer Welt funktioniert.

Wir fordern den Unterrichtsminister dringend dazu auf, von der Weiterentwicklung des neuen Lehramtsfaches Abstand zu nehmen, auf ausgebildete Informatik-LehrerInnen zu setzen und der Vermittlung informatischer Bildung  an Österreichs Schulen den notwendigen Stellenwert einzuräumen.

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