Paul Grünbacher – InformatikerIn der Woche

"Eine spannende Frage ist, wie die einmal geschaffenen Informatiksysteme langfristig am Leben erhalten werden können, denn sie unterliegen aufgrund neuer Anforderungen, Technologien und Marktbedingungen einem ständigen Wandel."

Paul Grünbacher ist Professor für Software Systems Engineering an der Johannes Kepler Universität Linz und leitet das Christian Doppler Labor für „Monitoring and Evolution of Very-Large-Scale Software Systems“. Paul Grünbachers Arbeiten wurden mit zahlreichen Best Paper-Awards ausgezeichnet und er ist Mitglied es Editorial Boards des „International Journal on Information and Software Technology“.

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Woran arbeiten Sie zur Zeit? 

Meine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Requirements Engineering, Produktlinien, Software Monitoring sowie modellbasierte Softwareentwicklung. Seit drei Jahren leite ich das Christian Doppler (CD) Labor für „Monitoring and Evolution of Very-Large-Scale Software Systems“. Die Forschungsschwerpunkte des Labors sind anforderungsbasiertes Monitoring und Diagnose, feature-orientiertes Engineering in Software-Ökosystemen sowie Application Performance Management. Diese Aspekte werden immer wichtiger, da sich komplexe Softwaresysteme über einen langen Zeitraum ständig weiterentwickeln. Im Labor entwickeln wir Methoden und Werkzeuge, um die gewünschten Eigenschaften solcher Softwaresysteme zu überwachen und die Anpassung an neue Anforderungen zu unterstützen. Wir kooperieren im Rahmen des CD Labors mit den drei oberösterreichischen Top-Unternehmen: Primetals Technologies Austria, KEBA und Dynatrace Austria.

Was ist für Sie Informatik? 

Informatik ist für mich ein Schlüsselfach für das 21. Jahrhundert. Unser Alltagsleben wird durch Informatik bereits heute wesentlich beeinflusst. Informations- und Kommunikationstechnologien in verschiedensten Formen und Ausprägungen durchdringen mittlerweile alle Lebensbereiche, oft auch im Verborgenen und ohne Wissen der Benutzer. Das technologische Wissen unser Zeit beruht auf dem Wissen über die effiziente Verarbeitung von Informationen. Die Fortschritte in der Informatik haben zu einem grundlegenden Wandel von Arbeits- und Produktionsprozessen, sowie zu massiven Änderungen im Kommunikationsverhalten geführt, bis hin zu Auswirkungen auf soziale Beziehungen.

Was sind für Sie Herausforderungen der Gegenwart, bei denen Informatik helfen kann?  

Es besteht wohl Konsens, dass Informatik für die Lösung vieler drängender Probleme benötigt wird. Es gibt kaum ein wissenschaftliches Fach, das ohne den Einsatz von Informatik auskommt, ein aktuelles Beispiel ist etwa die Klimaforschung. Die „digitale Revolution“ wird etwa in den Bereichen Medizin, Transport und Logistik, Wohnen, Industrieproduktion aber auch Kunst und Kultur noch zu vielen Veränderungen führen.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt? 

Eine spannende Frage ist, wie die einmal geschaffenen Informatiksysteme langfristig am Leben erhalten werden können, denn sie unterliegen aufgrund neuer Anforderungen, Technologien und Marktbedingungen einem ständigen Wandel. Software etwa gehört zu den komplexesten von Menschen geschaffenen Artefakten und muss in einer durch große Diversität gekennzeichneten Umgebung funktionieren. Es stellen sich vielfältige Fragen der technischen Beherrschbarkeit komplexer Informatiksysteme, nachzulesen etwa im „Risks Digest“. Die langfristige Evolution großer Softwaresysteme etwa ist eine zentrale Herausforderung, mit vielen spannenden Fragestellungen für die Forschung.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden?

Weil es faszinierendes Fach ist, mit vielfältigsten Anwendungsgebieten in allen Bereichen unseres Lebens. Deswegen ist es wichtig, dass Informatikerinnen und Informatiker immer im Kontakt mit anderen wissenschaftlichen Fächern und Anwendungsdomänen sind.

Ein weiteres Argument: Es ist spannend, in einem derartig dynamischen Fach zu arbeiten, denn es gibt immer wieder neue Dinge zu entdecken.

Auch nicht unwichtig: Die Berufschancen für Informatikerinnen und Informatiker sind ausgezeichnet und von Konjunkturschwankungen relativ unabhängig. Am österreichischen Arbeitsmarkt, insbesondere natürlich auch in Oberösterreich, werden tausende Arbeitskräfte mit solider Informatik-Ausbildung gesucht.

Was fehlt der Informatik in Österreich? 

Wir könnten mehr Studierende vertragen, insbesondere die Zahl der weiblichen Studierenden sollte höher sein.

Unser Ziel muss weiterhin sein, durch Zusammenarbeit von Universitäten mit der heimischen Industrie den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Österreich für die Zukunft zu sichern. Im internationalen Wettstreit der Ideen – sowohl im wirtschaftlichen als auch im wissenschaftlichen Umfeld – sind Modelle wie CD-Labore wichtiger denn je, weil sie das Wissen der Universitäten für Unternehmen nutzbar machen und Forschungsteams durch Beschäftigung mit komplexen Fragestellungen der Industrie neue Methoden entwickeln und evaluieren können.



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