Gernot Müller-Putz – InformatikerIn der Woche

Gernot Müller-Putz – InformatikerIn der Woche

Gernot Müller-Putz beschäftigt sich an der TU Graz mit Brain-Computer-Interfacing, also mit der Möglichkeit, Computer direkt über Gehirnströme zu steuern. Ein wesentliches Ziel dabei ist, die Nutzung von Technologie für Menschen mit Bewegungseinträchtigungen zu erleichtern. Direkt über das Gehirn gesteuerte Prothesen sind weitere Anwendungsfälle.

Sein Projekt „Feel Your Reach“ wurde im Dezember mit einem ERC-Consolidator Grant gefördert (es gibt übrigens noch PhD- und PostDoc-Positionen im Forschungsteam).

MüllerPutzWeb

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Mein Forschungsfeld dreht sich um Brain-Computer Interfacing (BCI). Dabei erstellen wir ein System, das mithilfe von Gehirnstrommessungen Gehirnmuster erfasst. Diese können von Nutzern willentlich beeinflusst werden. Durch Klassifikation der Muster werden dann Steuersignale erzeugt. So wird es z.B. möglich, dass Personen mit schwerer körperlicher Einschränkung den Computer bedienen können. Für Querschnittgelähmte wollen wir mithilfe des BCI die gelähmte obere Extremität wieder verwendbar machen (bei Verwendung von Neuroprothesen).

Was sind für Sie Herausforderungen der Gegenwart, bei denen Informatik helfen kann?

Wir erforschen verschiedene Funktionen des Gehirns, ohne Methoden wie Signalverarbeitung und Machine Learning wäre das nicht machbar. Viele Berechnungen werden erst durch den Einsatz von Informatik in zufriedenstellender Zeit machbar – auch die Darstellung von hochkomplexen Ergebnissen, oft im mehrdimensionalen Raum, wird so lösbar.

Beim BCI werden Gehirnsignale in Echtzeit gemessen, verarbeitet, klassifiziert und führen so zu einem Ergebnis. Die Datenmengen werden immer größer – die Informatik hilft uns, alles im Griff zu behalten.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden? 

Informatik wird von sehr vielen Studenten studiert – mehr Studentinnen könnten hier auch einen anderen Blickwinkel auf die Sache bringen.

An Voraussetzungen brauchts vor allem Interesse, Freude am Lösen von Problemen, am Knobeln; dazu die Fähigkeit, sich Dinge abstrakt vorstellen zu können und etwas Mathematik-Verständnis.

Was fehlt der Informatik in Österreich?

Informatik wird schon langsam in den Schulen zum Alltag – das sollte aber über die klassischen Office-Anwendungen hinausgehen. Einfache Grundlagen sollten schon in der Schule mitgegeben werden, dann wird Informatik auch greifbarer – vielleicht so auch das Interesse dafür mehr geweckt.