Rainer Böhme – InformatikerIn der Woche

Rainer Böhme – InformatikerIn der Woche

Rainer Böhme ist Professor am Security and Privacy Lab der Universität Innsbruck und beschäftigt sich vor allem mit Cybercrime, digitaler Forensik, virtuellen Währungen, Privacy und den wirtschaftlichen Aspekten von IT-Security. Seine Antrittsvorlesung (hier zum Nachsehen) aus dem Bereich der digitalen Forensik Ende vergangenen Jahres beschäftigte sich mit Möglichkeiten des Nachweises der Echtheit digitaler Informationen.

Rainer_Böhme

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Wir erforschen Prinzipien, mit denen technische Systeme fairer werden. Unser Entwurfsziel ist immer, dass die NutzerInnen eines IT-Systems nicht dessen Hersteller oder Betreiber ausgeliefert sind. Die bekannte virtuelle Währung „Bitcoin“ ist ein recht erfolgreiches Beispiel für so ein System. Leider zeigt sich daran auch die Kehrseite der Medaille: Kriminelle missbrauchen die vom System garantierte Freiheit. Deshalb müssen wir uns auch mit Ansätzen beschäftigen, die eine Strafverfolgung im digitalen Raum ermöglicht oder – noch besser – bestimmte Formen der Kriminalität gänzlich unattraktiv macht.

Was ist für Sie Informatik?

Informatik ist Logik realisiert in Hochtechnologie. Eine Informatik-Ausbildung vermittelt praktisch relevante Kenntnisse für fast jede Branche. Informatik durchdringt immer mehr Lebensbereiche. Deshalb ist es so wichtig, dass auch InformatikerInnen immer besser verstehen, wie Mensch und Technik gut interagieren können.

Was sind für Sie Herausforderungen der Gegenwart, bei denen Informatik helfen kann?

Der Siegeszug der Informatik ist ein Selbstläufer. Wir können uns heute noch nicht vorstellen, wie die Informatik ganze Branchen wie beispielsweise den Individualverkehr oder das Gesundheitswesen in wenigen Jahrzehnten verändern wird. Eine große Herausforderung bleibt es, die durch die Informatik geschaffene Komplexität und Geschwindigkeit so zu beherrschen, dass sich bewährte und wichtige Prinzipien z.B. jenes der Rechtsstaatlichkeit nicht unterwandern lassen. Es liegt in der Verantwortung der InformatikerInnen, auch hierfür Gestaltungsvorschläge vorzulegen und dem Nachwuchs ein Bewusstsein für solche Problemfelder zu vermitteln.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt?

Kritische Reflektion und Sorgfalt kommt in einer Disziplin, in der man mit wenigen Programmzeilen gefühlt alles erreichen kann, oft nicht an allererster Stelle.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden?

Wir wünschen uns StudentInnen, für die 1+1=10 ist. Für das Informatik-Studium an einer Universität sollte sich entscheiden, wer verstehen möchte, was die moderne Welt im Innersten zusammenhält. Aber damit nicht genug: StudentInnen der Informatik lernen nicht nur, wie das Internet funktioniert, sondern werden befähigt und hoffentlich motiviert, das nächste Internet mit zu erfinden. Wer kreativ ist und eine Auffassungsgabe für mathematische Fragestellungen hat, kann gelassen in eine Vielzahl hochspannender Themen eintauchen. Englischkenntnisse werden oft vorausgesetzt. Für ein Auslandssemester sind sie ohnehin unerlässlich. Auf die besten Absolventen warten Traumjobs in Österreich und dem Rest der Welt.

Was fehlt der Informatik in Österreich?

Ein Silicon Valley in Tirol.