InformatikerIn der Woche – Was hätte Helmut Veith gesagt?

Der Informatiker diese Woche ist Helmut Veith, Informatikprofessor an der TU Wien, der am 12.3. 45-jährig verstarb. Dieser Text wurde im Gedächtnis an Helmut von seinen Kollegen und Freunden Roderick Bloem und Hannes Werthner erstellt.


Helmut Veith mit KollegInnen aus dem RiSE-Netzwerk.
Helmut Veith (Mitte) mit KollegInnen aus dem RiSE-Netzwerk.

Woran arbeiten Sie zur Zeit? 

Helmuts Forschungsthema war die Korrektheit von Programmen. Computer richtig zu programmieren ist eine schwere Aufgabe. Umso schwieriger ist es, wenn Programme zusammenarbeiten müssen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Es ist leicht zu verstehen, warum. Zusammenarbeit von Menschen erfordert schon viel Geschick, Einfühlsamkeit und Verständnis der Ziele des Anderen. Computer besitzen von alledem nichts und ihre Zusammenarbeit gestaltet sich fast wie die einer Gruppe autistischer Paragrafenreiter. Der einzige uns bekannte Ausweg ist es, dem Computer bis ins kleinste Detail zu erklären, wie die Zusammenarbeit in allen möglichen Umständen funktionieren soll. Weil eine Programmiererin aber nur alle denkbaren Fälle abdeckt, braucht es Werkzeuge, um zu überprüfen, ob sie wirklich alle möglichen Fälle be- und erdacht hat. Das erstellen dieser Werkzeuge war Helmuts Forschungsthema.

Was ist für Sie Informatik? 

Computer und Computersysteme sind überall, daher ist auch die Informatik überall. Informatik ist allerdings nicht die Wissenschaft des Computers, sie ist viel mehr; sie beschäftigt sich generell mit Informationsprozessen und deren Automatisierung. Das hat Auswirkungen in allen Bereichen, auch in anderen wissenschaftlichen Disziplinen. So war Helmut auch sehr interessiert an den Überschneidungen zwischen Informatik, Literatur und Kunst. Er hat kurz vor seinem Tod zusammen mit Architekt Peter Mörtenböck und Grafikdesignerin Tina Frank ein künstlerisch-wissenschaftliches Projekt initiiert, das zum Ziel hat, eine visuelle Sprache zu entwickeln, um einem breiten Publikum ein besseres Verständnis von Datensammlungen und damit besser Entscheidungen über ihre Privatsphäre über den Weg der Kunst zu ermöglichen.

Auch die Verknüpfung zwischen Logik und Informatik hat Helmut immer fasziniert. Er hat schon als Student ein studium irregulare zu Computational Logic initiiert und hat neuerdings die Logic Lounge initiiert, um einem breitem Publikum die stolze Vergangenheit der Logik in Wien bekannt zu machen. Die Lounge thematisierte auch die zukünftigen Herausforderungen der Logik und der Informatik.

Was ist für Sie die größte Herausforderung der Gegenwart, bei der Informatik helfen kann?

Helmut war bewusst, dass Informatik das ganze Leben jeder Person und nicht nur das eines Informatikprofessors durchdringt. Die Rolle der Informatik ist es, Menschen im täglichen Leben zu helfen, sie näher zueinander zu bringen, aber auch Neues zu schaffen Die Herausforderung dabei ist, dies sicher zu gestalten, sodass die Informatik ein zuverlässiger Partner ist.

Was haben Sie in der Auseinandersetzung mit Informatik gelernt? 

Helmuts Leben war viel zu kurz, aber er hat eine Schlüsselepoche der Informatik erlebt und mitgestaltet. Die Informatik von 1989, als Helmut mit seinem Studium anfing, ist unvergleichbar mit der Informatik von heute. Heute erhält man um zwei Euro Computer, die unglaublich viel kleiner und leistungsstärker sind als jeder teure Computer von 1989. Auch das weltweite Web gab es 1989 noch nicht – die Netzwerkverbindung zwischen Europa und Amerika lief damit mit 56 kbit/s, etwa 10.000 Mal langsamer als heutige USB Verbindungen. Helmuts damaliges Interesse an Logik hat sich aber als goldrichtig herausgestellt – Logik bildet noch immer die Grundlage der Informatik und hat an Relevanz nur zugenommen. Der Wandel und dessen Stetigkeit sind dabei zentral – „Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ Was wir ebenfalls von Helmut lernen können, ist, dass Informatik aus Menschen besteht und für Menschen da ist. Kaum etwas war Helmut wichtiger als die Bedeutung der Informatik und ihre Rolle im täglichen Leben.

Warum sollten sich StudentInnen für Informatik entscheiden? 

Helmut hat sich Studentinnen und Studenten gewünscht, die gestalten wollen. Mehr als jede andere Wissenschaft erlaubt die Informatik jeder und jedem, die Welt um sich herum zu formen und in neue, unerwartete Richtungen zu treiben. Dazu braucht es vor allem Begeisterung und den Willen, mitzuarbeiten; die notwendigen Kenntnisse folgen dann unvermeidlich.

Was fehlt der Informatik in Österreich? 

Helmut hat am meisten gestört, dass nicht jedem und jeder die Bedeutung der Informatik klar ist, und wieviel Spaß man mit ihr haben kann. Er hat hart daran gearbeitet, dies zu ändern, durch Initiativen wie die Logic Lounge, Zeitungsinterviews, Vorträge, usw., usw. Auch die Kolumne „InformatikerIn der Woche“, und damit auch dieser Text ist auf Helmut zurückzuführen.

 

Es soll sich regen, schaffend handeln
Erst sich gestalten, dann verwandeln
Nur scheinbar steht’s Momente still
Das Ewige regt sich fort in allen
Denn alles muß in Nichts zerfallen
Wenn es im Sein beharren will

 

In Erinnerung an Helmut rufen wir den Helmut Veith-Award ins Leben.

 



Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail


Like it? Share with your friends!

0

InformatikerIn der Woche – Was hätte Helmut Veith gesagt?

log in

reset password

Back to
log in